27.10.2015, 00:13
(26.10.2015, 22:58)Thomas schrieb: Und hast du das Vertrauen zu dir selbst, dass du fühlen kannst, wie es tatsächlich ist? Ich habe dieses Vertrauen zu mir nämlich nicht und wenn ich mich so umschaue, traue ich das auch sonst niemandem so recht zu. Eigentlich sehe ich eher Menschen, die mal so und mal so fühlen - je nach Situation und heute anders als morgen. Ich sehe nicht, dass jemand wirkliche Tatsachen denkt und fühlt. Heute sagen sie, was für ein wunderbarer Mensch ist doch der Herr xyz, dann machen sie eine schlechte Erfahrung mit Herrn xyz und reden danach vollkommen anders. Dieses ganze Denken und Fühlen ist opportunistisch und richtet sich nach willkürlichen und persönlichen Maßstäben.
Ich weiß zwar nicht von wem du hier sprichst, aber ja, ich habe vertrauen zu mir, einfach das zu fühlen was in jedem Moment in mir auftaucht. Mehr braucht es nicht. Das ist dann das was tatsächlich im Hier und Jetzt da ist.
(26.10.2015, 22:58)Thomas schrieb: Tatsächlich würde ich deinen obigen Satz genau anders herum sehen und behaupten, dass wir lernen müssten, wie man denken und fühlen sollte.
Ich glaube nicht, dass jeder Gedanke und jedes Gefühl seine Berechtigung hat und ruhig da sein darf.
Das kann man so sehen, wenn man sich auf auf seinen jetzigen Zustand begrenzen möchte. Aber nicht, wenn man diesen Zustand ändern möchte.
Warum nicht, wenn doch jeder so ist wie er ist, weder Schuld noch Wahl hat?
Oder hat man etwa doch ne Wahl?? Und ansonsten hat man sie eben nicht genutzt.?
Nein, für mich muss man nicht lernen wie man denken und fühlen sollte, sondern fühlen und wahrnehmen was in dir ist. (Ich glaube spirituelle Theorien und Konzept haben wir schon genügend im Kopf.)
Gedanken tauchen auf und kann man ebenfalls wahrnehmen / beobachten....
und man kann in Stille sein, das verlangsamt ohnehin den Gedankenfluss, und stopt ihn sogar teilweise.
Und das selbe Zulassen gilt für die Gefühle.... in der Bereitschaft das zu fühlen was gerade da ist.
Ich erlaube mir das Auftauchen all dessen was in mir stattfindet, und spüre dem seid langem häufig sogar explizit nach, so das die Gefühle wie Wellen auftauchen sich im Körper ausdehnen und wieder von selbst verschwinden können. Und ich bin immer noch dabei......
Das nennt man auch radikale Achtsamkeit oder radikale Erlaubnis - das wirkt lösend und transformierend.
Das Unterdrücken von Gedanken oder Gefühlen halte ich sogar für schädlich, nicht zuletzt weil sich Verdrängtes dann irgendwann an anderer Stelle unkontrolliert entlädt.
(26.10.2015, 22:58)Thomas schrieb: Was wird dadurch anders, wenn man selbst betroffen ist? Was für ein Problem gibt es dann? Man fühlt sich dann nicht gerade wie der Sohn Gottes, schon klar. Aber beweist das irgend etwas außer vielleicht, dass man der Ursache des Problems auf den Grund gehen muss? Und können wir das selbst bestimmen, mit welchen Mitteln man das Problem beseitigen kann oder ist es besser, denen zu vertrauen, die es gelöst haben und den Weg dahin besser kennen als wir?Ich für meinen Teil habe bereits intensive Erfahrungen sammeln dürfen, und weiß wie ich damit umgehen muss.
Das hat man sich ja nun auch über Jahre in spirituellen Büchern, Artikeln und Videos, und der inneren Führung vertrauend aneignen und auch üben können.
(26.10.2015, 22:58)Thomas schrieb: Die Annahme, dass es jeder selbst in der Hand hätte, ist der zentrale Irrtum. Und nur daraus ergibt sich auch die Aussage, das wäre kein Freifahrtschein. Wenn man von vorneherein wüsste, dass man es eben nicht in der Hand hat, würde sich diese Frage mit dem Freifahrtschein erst gar nicht stellen.
Das hartnäckige Festhalten an der Schuld anderer ist nicht einem wirklichen Wissen geschuldet sondern einem Interesse, andere schuldig zu sprechen. Die Wut, die wir so gegen Schuldige richten, benötigen wir selbst ganz dringend zur Abwehr unserer eigenen Probleme, die mit Schuld zu tun haben. Es ist wiederum Projektion.
Lieber Thomas, du schreibst so, als hätte ICH von Schuld gesprochen! ;-))
Und noch mal, das mit dem Freifahrtschein stammt nicht von mir, sondern war ein Beispiel Andersdenkender.
Du schriebst:
(26.10.2015, 16:45)Thomas schrieb: Selbst psychologisch gesehen und fernab spirtuellen Denkens kann man niemanden eine Schuld dafür zuweisen, dass aus einem misshandelten, ungeliebten, verstoßenen Kind vielleicht ein Mörder und Vergewaltiger wird. Ich denke, das siehst du nicht anders.
Und ich sagte dazu, da du von "psychologisch" sprachst; Nein, ich sehe das nicht anders. ABER Psychologen sagen
eben auch:
(26.10.2015, 20:21)ParaDoxa schrieb: Nein, aber trotzdem wird gesagt, dass eine schlimme Kindheit kein Freifahrtschein für spätere Verbrechen ist. Und dass es jeder selbst in der Hand hätte. Inwiefern das stimmt, sei mal dahingestellt.
;-) Ich dachte diese Sichtweise sei dir sowieso bekannt, und bin davon ausgegangen, dass du das ohne große Erklärung verstehst.
(26.10.2015, 22:58)Thomas schrieb: In der Tat haben wir beide großes Glück, dass uns unser Ego nicht dauerhaft zu durchgeknallten Wirrköpfen gemacht hat. Aber unser Verdienst ist das sicherlich nicht. Und dann können auch nicht diejenigen schuldig sein, die nicht so viel Glück hatten.
Ja. Und doch sehe ich das ganz klar als einen Verdienst im Sinne von etwas Durchlittenem an, denn erst wenn man sich seinen Gefühlen stellt, muss man durch die Qualen des Schmerzes hindurch!! Ansonsten bleibt einem das, aber auch die Loslösung erspart.
(26.10.2015, 22:58)Thomas schrieb: Mir geht es nicht darum, dass man nicht andere vor übergriffigen Egos schützen sollte und sich nicht gegen sie wehren sollte. Aber unser Umgang mit diesen Menschen ist Bestrafung und Verachtung. Wir sprechen sie schuldig ohne zu wissen, ob sie überhaupt schuldig sein können.
Ja aber WO denn, wer spricht hier wen schuldig??
Sorry, aber ich komme nicht mehr nach....außerdem klingt mir das alles einfach zu theoretisch!
Selbst wenn du weißt, dass niemand wirklich schuldig ist, darfst du dich noch ärgern, jemanden doof finden, wütend und zornig werden, jemanden aus der Sitzung werfen, wegen Diebstahl anzeigen usw.....dazu braucht man doch niemanden im Sinne der obersten Wahrheit schuldig zu sprechen. Wozu muss man sich das so schwer machen? Es gibt keine Regeln.
Einerseits legst du so großen Wert drauf, dass keiner beschuldigt wird, und andererseits soll man sich selber spirituellen Regeln ergeben, als sei man selbt schuldig, und nicht ok, genau so wie man ist.
Und wenn man Gefühle hat, die angeblich spirituell nicht ok sind (die gibt es für mich z.B. gar nicht, weil spirituell ALLES beinhaltet, den ganzen Menschen und nichts ausschließt - zudem sind wir nicht unsere Gefühle/Gedanken!) , dann wird man eben daraufhin schuldig gesprochen...?
Entweder ist alles gut und richtig, oder aber gar nichts, oder?
Wir sollten nicht vergessen das wir nicht die Person mit ihren Gedanken und Gefühlen sind!!
An der Persönlichkeit zu basteln ist doch bekanntlich nicht die Lösung, das selbe hattest du doch auch gesagt.
Wir basteln ansonsten an der Illusion herum.
Es ist doch eher die Bereitschaft zuzulassen was in uns geschieht, und die Hingabe und das Vertrauen an das was wir sind! Und damit hat man wahrlich schon genug "Stoff" zu lösen.