19.12.2015, 19:04
(18.12.2015, 23:04)Thomas schrieb: Ärger ist oK aber Vergewaltigung natürlich nicht. Warum? Weil Ärger andere nur ein wenig verletzt, Vergewaltigung aber ganz dolle?
Nein, weil Ärger deine Grenzen schützt und Vergewaltigung einfach nur eine massive Grenzüberschreitung und Verletzung anderer Wesen ist. ;-)
Es geht nicht darum zu vergewaltigen, zu morden oder sonst wie anderen zu schaden, sondern darum, alles in mir zunächst zu erlauben - aus dem Unbewussten aufzutauchen. Wie sonst will man frei werden/SEIN?
Dieser Ausschnitt von C.G.Jung passt für mich ganz gut hier her.
bewußt handeln und geschehen lassen
Eine (vermeintliche) Paradoxie des I.prozesses zeigt sich auch darin, daß vom Menschen auf dem Weg der Individuation verlangt wird, sich immer wieder aktiv und bewußt neu auftauchenden Problemen zu stellen und zu Entscheidungen zu kommen, die er vor sich selbst verantworten kann, andererseits aber gesagt wird, "daß es für die Realisation des Individuationsprozesses eine Hingabe an die überpersönlichen Mächte des Unbewußten braucht. Das heißt, daß man nicht denken darf: ,Was man sollte' oder.,Was im allgemeinen richtig wäre' oder ,Was einzutreffen pflegt', sondern nur hinhorchen sollte, was die innere Ganzheit, das Selbst, jetzt hier in dieser Lage von mir oder durch mich erwirken will" (Franz, in Jung 1968, S. 163).
Dieser Widerspruch löst sich zum größten Teil auf, wenn man es so betrachtet, daß die für das Individuum wegleitenden Impulse weder nur aus dem Ich-Bewußtsein noch nur aus dem Unbewußten kommen, sondern aus der beides in dialektischer Beziehung vereinigenden Ganzheit: "Bewußtsein und Unbewußtes ergeben kein.Ganzes, wenn das eine durch das andere unterdrückt und geschädigt wird [...] Beide sind Aspekte des Lebens. Das Bewußtsein sollte seine Vernunft und seine Selbstschutzmöglichkeiten verteidigen, und das chaotische Leben des Unbewußten sollte auch die Möglichkeit haben, seiner eigenen Art zu folgen, soviel wir davon ertragen können".(Jung 1976, S. 306).[27] "Ist das Ich in einen anscheinend ausweglosen Konflikt verstrickt (und nur dann) [...] so soll man der inneren Instanz, dem Selbst, die Führung überlassen".(Jacobi 1971, S. 119); in allen anderen Fällen sollte das Bewußtsein führen und - unter Berücksichtigung der "Hinweise" aus dem Unbewußten - entscheiden, damit der Mensch nicht wie ein den autonomen Impulsen Unterworfener handeln muß. Es geht nicht um Herrschaft des Unbewußten über das Bewußtsein (bzw. umgekehrt), sondern um ein immer wieder neu herzustellendes dynamisches Gleichgewicht (die transzendente Funktion bei Jung).
http://www.dr-wischmann.privat.t-online.de/jung.htm