20.12.2015, 18:54
Zitat:Es scheint eher ein Wunschdenken und fern der Realität zu sein, sich selbst als unverletzbar anzusehen. Da wird m.E. die wahre Natur mit der relativen Persönlichkeit gleichgesetzt, die jedoch ein Leben lang gewisse Bedürfnisse hat und reift.
Durchaus möglich, liebe Paradoxa, dass die vollständige Verwirklichung von Unverletzbarkeit für eine lange Zeit nicht erreichbar ist. Aber es geht nicht um eine Gleichsetzung der wahren Natur mit der relativen sondern um ein Entziehen der Voraussetzungen für die relative Natur. Wenn es so ist, dass die relative Natur ein Leben lang reift - dann wird ja auch irgendwann der Zeitpunkt kommen, an dem die Reife eingetreten ist?
Dass dieses Ziel innerhalb eines Lebens zu erreichen ist, ist durchaus nicht sicher. Aber es bleibt dennoch richtig für mich, dass ich aufhöre, Glaubenssätze zu vertreten wie "Ich bin meiner Natur nach verletzlich". Und an die Notwendigkeit von Ärger zu glauben, ist ein solcher Glaubenssatz. Tatsächlich ist dies eine höchst brisante Sicht auf sich selbst, die meiner Meinung nach zur Folge haben wird, dass die verletzenden Situationen im Leben mehr anstatt weniger werden.
Ich meine, Paradoxa und Ikkyu, welchen Kompromiss kann man denn hier schließen? Wir können annehmen, dass wir überhaupt keine Wahl haben und wir das Opfer der Welt sind, der wir als verletzliche Wesen ausgeliefert sind. Dann ist jede dieser Diskussionen sowieso für die Katz. Wir haben die Arschkarte gezogen und müssens eben aushalten. Was aber einen ziemlich üblen Gott voraussetzt.
Oder wir sehen die Dinge eben so, dass unser Zustand von etwas abhängig ist, das innerhalb von uns liegt. Genau können wir das nicht wissen, so wie die Dinge momentan stehen. Weder für das eine noch das andere. Aber wir können uns Rat von denen holen, die es wissen, einem Jesus, einem Buddha. Und wenn die uns sagen, dass es unsere eigenen Glaubenssätze sind, die uns das sehen lassen, was wir sehen, warum sollte man dann an der alten Sichtweise festhalten? Zumal wenn man feststellt, dass es funktioniert?
Woher kommt die relative Natur, Paradoxa, was ist ein Ego? Ein Bündel von Überzeugungen über sich selbst, sonst nichts. Es kann nicht 2 Wahrheiten geben, die beide wahr sind.